Trennt euch!
Ich wollte nicht über IT-Kram schreiben. Es ist eine gute Übung, über Dinge zu schreiben, die ich nicht mag. Die IT passt perfekt.
Meine Bank, die Targobank, macht mir mein Leben gerade schwer. Im Urlaub wollte ich in mein Online-Banking. Neues Handy, keine Passwörter – ja, war ein Fehler. Jetzt ist mein Account gesperrt und seit dem 14. April, jetzt ist der 27. April, versuche ich, den Account freizuschalten.
Die Bank möchte die Telefon-PIN von mir. Die PIN ist weg. Sie kam mal zur Kontoeröffnung mit anderen Briefen und landete in einem Ordner. Drei Umzüge später ist der Ordner weg. Jetzt kommen wieder die Besserwisser um die Ecke: „So was muss man doch haben?“ – Nein, muss man nicht! Ich mache kein Telefon-Banking. Ich will nicht X Pins, Y Passwörter und Z Authenticator-Apps haben!
Die Bank ist erstaunlich unkooperativ. Am 14. April, eine Woche nachdem sie mich mit „Suchen Sie Ihre PIN." nach Hause schickten, besuchte ich sie erneut. Sie stellten einen Auftrag ins System, die PIN käme per Post, aber sonst können sie nichts machen. Persönliches Erscheinen, ein Bundesdokument und die Bankkarte reichen nicht. Es muss der PIN sein.
"So ist der Prozess halt", sagte man mir. Nein, der Prozess muss nicht so sein.
Wenn ein IT-Prozess "einfach so ist", und "es nicht anders ginge", haben wir es nicht mit Prozessmanagement, sondern mit Macht zu tun. Natürlich kann man von einem Prozess abweichen, solange gesetzliche Regeln eingehalten werden.
Warum macht es niemand? Weil es billiger ist. Und, weil die IT in Unternehmen mehr zu sagen hat, als das Fachpersonal. Viele Unternehmen haben nicht mal bemerkenswerte IT-Abteilungen, sondern nur reguläre Mitarbeiter, die neben ihrer regulären Arbeit zusätzlich Tickets bearbeiten. Deutsche Unternehmen geben ihr Wissen, ihre Datenherrschaft komplett auf, geben dieses Wissen teilweise auch ins nicht-europäische Ausland ab und denken, so Kosten zu sparen.
In meinen über zwanzig Jahren in der IT habe ich es nicht erlebt, dass die Firmen sich fragten, wie sie sich dem Kunden gegenüber besser aufstellen können. Da gab es den ITler, der ein System präsentierte, bei dem die Kunden sich selbst einen Hash ziehen und einen Link zusammenbauen sollten. Dann ITler, die keinen Finger rührten, als die Kunden zeigten, wie unbrauchbar die Programme waren. Dann die Manager, die sich hinter die IT stellten und gemeinsam mit der IT dem Kunden erzählten, dass sie ihre Änderungen nicht bekommen. Die Kunden wollten sogar dafür bezahlen! Wenn es in Meetings mal darum ging, besser zu werden, wurde beschlossen, eine neue Software eines fremden Unternehmens zu kaufen. Sie kamen nicht mal auf die Idee, sich selbst in die Pflicht zu nehmen.
Die IT verliert dort ihre Kraft, wo sie sich mit sich selbst beschäftigt und Mauern baut. In Deutschland werden auch im Jahr 2026 Formulare digitalisiert und Prozesse in Stein gemeißelt.
Jetzt kommt KI. Eine Technologie, die dynamische Prozesse unterstützt, trifft nun auf die in Stein gemeißelten Prozesse und die Personen, die Jahrzehnte für diese Prozesse verantwortlich waren. Was wird wohl passieren?
Unternehmen müssen sich von diesen Abhängigkeiten lösen. Das ist kein romantischer Wunsch nach einer besseren Welt – ihr könnt es schlichtweg besser. Viel besser. "IT-Deutschland ist teuer"-Mentalität wird selbst immer teurer. Wer billig kauft, tut es zweimal. Natürlich gibt es auch in Deutschland viele ITler, die nichts weiter tun, als IT-Prozesse in Stein zu meißeln, weil nichts anderes gekauft wird. Aber da können die Kunden etwas tun, indem sie sich nicht darauf einlassen. Kündigt Verträge! Versucht andere Anbieter.
Ich fahre jetzt wieder zur Targobank. In meiner Mappe sind vier Rechnungen, die bezahlt werden wollen. Wenn etwas Ruhe einkehrt, schaue ich mir mal die Leistungen der DKB an. Für das Zurücksetzen des Passwortes wollen die immerhin nur die IBAN haben. Wahrscheinlich bekomme ich dann auf meine Adressdaten hin automatisch einen Brief. So, wie es sein sollte.