Arbeite leise, Schreibe laut.
Meeting zu Ende. Schnell die Sachen packen, raus aus der Hütte, raus aus dem unguten Gefühl. Ich mag Meetings nicht. Ja, sie sind manchmal notwendig, aber oft nur eine ziemliche Ego – eine Shitshow.
Niemand schreibt! Und weil niemand schreibt, ist auch nichts vorbereitet, es gibt keine Struktur, keine Fakten, keine Argumente. Im Termin werden dann Gedankenabfälle erbrochen, weil die persönliche Tagesverfassung, Komplexität, und Meinung überwiegen.
Man könnte ja Arbeitstermine machen und gemeinsam das Problem erst mal erarbeiten. Aber nein, lieber werden irgendwelche anderen Termine missbraucht. Dabei ist es einfach egal, dass das Thema gar nicht zu dem Termin passt und die anderen Teilnehmer nichts von ihren Themen haben.
Ich, für meinen Teil, schreibe lieber.
Und am liebsten per Hand, auf Papier. Einmal hatte ich eines Morgens einen Geistesblitz und pinselte schnell einige Folien zusammen. Zuerst habe ich in mein Notizbuch gekritzelt, dann kam die Idee und kurz vor dem Meeting hatte ich alles.
Ein Manager empfand es als richtig doof, dass ich einen roten Faden hatte, und meckerte mich an. "Du verheimlichst uns Informationen!", sagte er, was nicht stimmte. "Habe ich vor einigen Minuten gebaut", sagte ich, er widersprach. "Muss sofort an Team gesendet werden". Habe ich schon von den Shitshow Terminen gesprochen? Dieser war einer.
Alle Menschen sollten so viel schreiben, wie sie nur können. Tagebücher mit Gedanken und Ideen. Viele Fragen würden automatisch gelöst, manche Fragen anders gestellt werden, wenn der Fragende sich mit seinen Gedanken auf Papier, nicht in einer App oder so, beschäftigt. Tut niemand.
Manchmal arbeite ich mit meinem Notizbuch im Meeting, besonders, wenn wieder niemand so richtig eine Idee hat. Nicht weil ich angeben will, sondern, weil ich es brauche, um selbst eine IDEE zu entwickeln.
Also, ich mache eine Wiki-Seite auf, schreibe PROBLEM oben in die Mitte, links darunter schreibe ich WAS WIR WISSEN und rechts, was wir SCHLUSSFOLGERN können.
Die Leute sind immer fasziniert, einige machen nicht mit, was aber nicht geht, weil es meine Solo-Methode ist. Wenn ich mich einem Problem nähere, tue ich das erst mal allein. Wenn die Seite fertig ist und ich alles auf der Seite sortiert und verbunden habe, dann können wir darüber sprechen.
Es ist nicht böse gemeint, ich brauche meine Strukturen, die ich im Kopf habe. Andere Strukturen kann ich nicht gebrauchen, wenn es überhaupt Strukturen sind, die für mich Sinn ergeben. Ich wünschte mir, dass so etwas akzeptiert wird. Noch mehr Konflikte gibt es, wenn jemand Wissen mit Meinung verwechselt. Irgendwer meinte mal, eine Meinung zu haben sei wichtig. Meinungsfreiheit, you know? Das ist so bescheuert. Meinungen hat man einfach. Eine Idee, ein Konzept kann nicht aus Meinungen bestehen.
Methodiken, Strukturen sind wichtig. Gute Gewohnheiten sind wichtig, weil sie Struktur und Methodik ermöglichen. Und deswegen ist Schreiben wichtig. Dabei meine ich nicht "Mitschreiben" oder "Abschreiben", sondern "Schreiben". Einen eigenen Text produzieren mit Inhalten, die man nicht 1:1 wiederkäut, sondern interpretiert, behandelt, kritisiert und verändert.
Setz dich mal hin, nimm dir ein Papier, einen Stift, und versuche mal schriftlich zu überlegen, was jetzt ist. Welche Probleme hast du? Welche Lösungen fallen dir ein? Recherchiere mal 10 Minuten – was hast du gefunden? Kannst du dein Problem klar und direkt benennen? Nein? Und wie kommst du darauf, dass andere das können?