Sprachgedanken

Es ist schon schwierig, ruhig zu bleiben, wenn die Möglichkeiten einen jagen. Dieser Satz ist alles, nur keine Beschwerde, vielmehr ein Versuch, eine Befindlichkeit zu beschreiben. Befindlichkeit – das Wort liest man selten, dabei ist es ein so schönes Wort, nach innen gerichtet kann man neutral seine Zustände zusammenfassen.

Sprache kann etwas Wundervolles sein. Es inspiriert, zeigt neue Welten, beschreibt eine Schönheit, zu der wir, im Realen, gar nicht kommen. Ein dichter Wald mit moosbewachsenen Bäumen und einem warmen, hellen Lichtschein, der durch die Blätter kommt, ist wundervoll, aber gerade in der Kölner Stadtbibliothek, in der ich gerade sitze und diese Zeilen schreibe, unerreichbar.

Sprache ist heute kalt, entmenschlicht und vom Leistungsdrang durchdrungen. "Jemanden abholen" ist ein solcher Ausdruck. Es ist vielleicht gut gemeint, aber auch die ICE in Amerika "holt jemanden ab". Der Begriff lässt aus, ob der "abzuholende" eine Wahl hat. Ich, für meinen Teil, möchte lieber da bleiben, wo ich stehe.

Die Politik spricht vom zu hohen Krankenstand, faulen Migranten und Wohlstand. Alles Begriffe, die die oben genannten Attribute aufweisen. Wer sich über die Kranken beschwert, stellt sich auch über sie. Wie ein Diktator, der die menschliche Natur, den Bedarf an Erholung, einfach wegdefiniert, oder sollte ich Manager sagen, denn auch ein Manager gibt vor, wie man sich zu verhalten hat?

Krank steht dem Ziel diametral gegenüber, oder einfacher gesagt: Ohne deine Leistung, hast du kein Recht, ein Teil von uns zu sein.

Es gibt kein "Wir und die" auf der Welt. So etwas hat es noch nie gegeben. Nur unsere affenartigen, und das meine ich durchaus positiv, Gehirne wollen, dass die Welt klein und einfacher ist.

Das zeigt sich auch in der linksorientierten Gemeinschaft, denn die haben die Wurzel allen Übels gefunden: Männer. So wird es in den sozialen Medien und auf Demonstrationen gerne postuliert. Es ist einfach, es macht ein gutes Gefühl, weil wir ja die "Guten" sind.

Es ist sogar so einfach, dass "die Männer", zu denen ich mich jetzt nicht zähle, "die Frauen" auch als Problem identifiziert haben.

Und wir stehen zwischen den Stühlen. Die Gruppen schreien sich an, beschuldigen sich gegenseitig der wildesten Dinge. Dabei haben wir doch so etwas Tolles wie unsere Sprache und unsere Kultur und können neue Geschichten bauen, die uns führen und uns in Ruhe leben lassen.

Dieser Text ist, wie bisher alle Texte hier, eine Übung im freien Schreiben, eine Textreihe, in der ich mich der Sprache annähern will.